Luftfahrttechnik, in keinem anderen Bereich ist der Perfektionismus größer
Das Risiko, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen ist um ein Hundertfaches geringer, als einen tödlichen Verkehrsunfall zu erleiden. Das ist auch gut so, denn irgendwo will man sich ja schließlich auch noch sicher fühlen können.

Der Grund für dieses Verhältnis liegt - abgesehen von der strengen Ausbildung und der hohen Kompetenz von Linienpiloten - in den umfassenden Sicherheitsbestimmungen und -standards für Luftfahrzeuge begründet. Da jedes technische Versagen während des Flugs das Risiko einer Katastrophe bedeutet, wird mit effizienten Sicherheitsmaßnahmen und höchsten technischen Standards versucht, jede technische Fehlfunktion auszuschließen - bis auf wenige Ausnahmen, die dann meist aber auch auf menschliches Versagen oder Missachtung der Vorschriften zurückzuführen sind, gelingt das auch. Man kann sich also sicher fühlen. Sehr viel mehr als im Straßenverkehr wird bei Flugzeugen auf die passive Sicherheit Wert gelegt: wer schon einmal beobachtet hat, mit welcher Sorgfalt im Winter Tragflächen und Leitwerke enteist werden, und wie viele technische Checks allein bei jedem Start durchgeführt werden, der bekommt eine Idee davon, wie groß der Perfektionismus im Bereich der Luftfahrt (Aviation) sicherheit ist.

Ähnliches gilt aber auch für die Teile und Komponenten von Flugzeugen und Hubschraubern: Eine Unzahl von Normen und Zertifikaten – FMVSS, NCAP, ABE, TRIAS - sorgen dafür, dass nur perfekte Bauteile, die zuvor Hunderten von technischen Tests unterzogen wurden, in Serienproduktion kommen. Für jedes einzelne kleine technische Bauteil gibt es ein Lastprofil, das angibt, welche Belastung und welche Abnutzung das Bauteil standhalten kann. Aus diesen Lastprofilen wird dann der vorgeschriebene Wartungsplan erstellt. Der Einbau und Austausch von Teilen darf dann wiederum nur von zertifizierten Unternehmen durchgeführt werden, wobei diese Unternehmen für alle einzelnen Komponentengruppen jeweils ein eigenes Zertifikat benötigen. Das kann so weit gehen, dass Unternehmen beispielsweise nur die Rotorgruppen von Helikoptern austauschen und warten dürfen, andere Teile jedoch nicht reparieren können. Damit ist sichergestellt, dass auch menschliche Fehler oder Unkenntnis beim Einbau von Teilen so gut wie ausgeschlossen sind. Jeder Teil, der eingebaut wird, muss genau den erforderlichen technischen Spezifikationen entsprechen, und jedenfalls zertifiziert sein - billige Nachbauten oder Eigenentwicklungen gibt es nicht.

Im Flugbetrieb geht dann diese Perfektion weiter: Signalisieren die technischen Sicherheitssysteme einen Defekt, bleibt das Flugzeug am Boden. Jede auch noch so kleine Fehlfunktion wird ernst genommen. Das Flughandbuch, die Bibel des Piloten, gibt dann genau Auskunft, wie ein Defekt vom Hersteller vorgeschrieben zu beheben ist. Der Grund, warum Flugzeuge zu den sichersten Verkehrsmitteln gehören, ist also ganz einfach: Perfektion.